Dienstag, 4. September 2007

Zithertrauma


Es ist an der Zeit, dass ich von einem Gottesdienstbesuch in Sierre berichte. Besagter Besuch ist mittlerweile schon einige Wochen her, aber ich erst jetzt sehe ich mich in der Lage, darüber zu berichten, ohne immer noch schwer traumatisiert lachend auf dem Boden zu liegen.

Es begab sich eines Sonntags, dass ich in die nächstgelegene Kirche ging. Dort fand ein Gottesdienst auf Französisch statt. Die Lieder wurden nicht auf der Orgel begleitet, sondern eine wild gestikulierende Frau versuchte am Ambo, die Leute a capella zum Mitsingen zu bewegen. Die Liedtexte wurden von ihr persönlich per Overhead-Projektor gleich neben dem Kruzifix an die Kirchenmauer geworfen. Dementsprechend unterbrach sie auch ihr Dirigieren immer wieder, um die Folien auszutauschen. Das änderte am spärlichen Gesang auch nicht mehr viel.
Als der Gottesdienst schon so weit fortgeschritten war, dass die Kommunionausteilung anfing, wurde ich überrascht durch äußerst liebliche, süßliche Musik. Bereits das erforderte meinerseits eine gewisse Beherrschung, nicht aus der Fassung zu geraten. Glücklicherweise war ich alleine in der Kirche, ohne die üblichen Verdächtigen, die Lachanfälle besonders gut provozieren können. Jedenfalls dachte ich, dass nun der CD-Player die musikalische Gestaltung übernommen hatte. Beim Pfarrer vorne angekommen für die Kommunion fiel ich jedoch fast aus allen Wolken: Die Sackfrau hatte den Ambo-Overhead-Platz gegen einen Platz an der Zither eingetauscht und erfreute höchstpersönlich mit dieser himmlischen Musik.
Leider musste ich die Kirche frühzeitig verlassen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

das von dir (sicherlich lediglich) illustrativ gewählte Zither-Wesen is der Knaller! Ich mag deine liebevoll gestalteten Artikel.